Mitgliederversammlung 2016

Der Kalender der Hospizbewegung Geseke war im Jahr 2015 prall gefüllt. Das erfuhren die Anwesenden bei der gut besuchten  Mitgliederversammlung, zu der der Vorsitzende Franz Holtgrewe  in diesem Jahr im Stiftspfarrsaal begrüßte.

Hier zeigte sich, dass auch 2015 ein sehr bewegtes Jahr war. Für den unermüdlichen Einsatz der ehrenamtlichen Sterbe- und Trauerbegleiter, die 2015 in diesen beiden Bereichen mindestens 1300 Stunden Dienste am Bett der Sterbenden, aber auch in der Begleitung von trauernden Angehörigen geleistet haben, zollte Franz Holtgrewe den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern seinen Dank und seine Hochachtung.

Genaue Zahlen lieferte dann Koordinatorin Bettina Kettelgerdes in ihrem Jahresbericht: 831 Einsätze der ehrenamtlichen Sterbegleiter gab es im vergangenen Jahr, dazu kommt natürlich auch die Begleitung der beiden Koordinatorinnen Bettina Kettelgerdes und Mechthild Loer. Und auch die Trauerbegleitung ist ein wichtiges Angebot der Hospizbewegung. Das Jahr 2015 war gekennzeichnet durch eine zunehmende Zahl von Anfragen nach Begleitung in Trauersituationen. Vieles davon geschah in Einzelbegleitungen, aber auch das Trauercafé an jedem ersten Montag im Monat ist so gut besucht, dass die Räumlichkeiten im Hospizhäuschen nicht ausreichen und die Treffen daher in der Stiftsaula stattfinden. Beratungen von Ratsuchenden hinsichtlich von Patientenverfügungen, Gruppenabende und Supervision der ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, Fortbildungen und Informationsbesuche zum Beispiel auf der Palliativstation in Bad Lippspringe, der jährliche Gedenkgottesdienst und große Veranstaltungen wie mit Franz Müntefering oder Jürgen Domian zeigen, dass die Anliegen und das Engagement der Hospizbewegung nahezu alle Facetten des Lebens und des Sterbens abbildet.

Natürlich ist die Freude darüber, dass die Hospizbewegung einen so großen Unterstützungsdienst leisten kann, sehr groß; zeigt es doch, dass die Angebote sehr geschätzt werden. Das bedeutet aber auch, dass die ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sehr viele Dienste leisten müssen, so dass die Bewegung auf neue Mitarbeiter angewiesen ist. In diesem Jahr soll daher ein Befähigungskurs für die Sterbebegleitung starten. Wer sich für diese qualifizierte Ausbildung interessiert, kann sich schon jetzt bei der Hospizbewegung melden.

 

Im Jahr 2016 hat es bereits einige Veranstaltungen gegeben, so unter anderem den Gedenkgottesdienst, die gut besuchten Vorsorgetage und die Lese- und Diskussionsveranstaltung mit Jürgen Domian. Weitere Planungen sehen Fortbildungen für die Mitarbeiter, eine musikalische Veranstaltung und natürlich die regelmäßigen Trauertreffs vor.

Vortrag von Franz Müntefering

4. November 2015,  Franz Müntefering in Geseke:

"Gefährliche Melodie - Diskussion um Sterbehilfe"

 

Zwei Tage vor der Neuregelung der Sterbehilfe in Deutschland, besuchte  mit Franz Müntefering ein engagierter und prominenter ehemaliger Politiker Geseke, um seine Ansichten über das Leben und Sterben mit zahlreichen interessierten Bürgern zu teilen.

 

Gerne war Müntefering der Einladung der Hospizbewegung gefolgt und nahm in seinem Vortrag in der Aula der Gesundheitsakademie kein Blatt vor den Mund: „Man muss Sterben auch zulassen“, sagte der prominente Gast. Nicht die Hinauszögerung des Lebens durch eine Hochleistungsmedizin sei gesund, sondern die Hilfe beim Sterben sei das Erstrebenswerte. Man brauche die Hand, die den Menschen in seinen letzten Tagen und Stunden hält und begleitet und nicht die Hand, die das Sterben auslöst. Daher setzt sich das Stiftungsratsmitglied der Deutschen Hospiz- und Palliativstiftung auch vehement dafür ein, dass die palliative Pflege einen größeren Ausbau erhält, so dass Menschen, die dem Tode nahe sind, gut gepflegt und versorgt einen schmerzfreien und guten Tod erleben, begleitet von Menschen, die dem Sterbenden nahe stehen. Als ein wesentliches Problem unserer Gesellschaft machte Müntefering die Einsamkeit aus. „Wenn man sich nicht mehr hübsch machen muss für jemanden, wenn da niemand oder keine Aufgabe mehr ist, für die es sich lohnt, aufzustehen, dann kann schneller der Wunsch entstehen, aus dem Leben gehen zu wollen.“ Das aber hält der Redner für falsch. Es sei wichtig, soziale Beziehungen zu pflegen und aufrecht zu halten, aber auch, mit seinen engsten Verwandten und Freunden darüber zu sprechen, wie man sich seinen letzten Weg vorstellt. „Mein Wunsch ist es, sehenden Auges in den Tod zu gehen, so dass ich mich noch von meinen Liebsten verabschieden kann!“

 

Den eindrücklichen Worten Münteferings folgten noch Statements von Dr. Friedel Bergmann, Rechtanwalt Frank d´Alquen und Pfarrer Rainer Stahlhacke.  Alle drei betrachteten aus ihrer je eigenen – auch beruflichen – Sicht das Thema. Der Onkologe und Palliativmediziner Dr. Bergmann betonte, dass medizinisch noch viel zu tun sei und dass für ihn ein großes Problem in der Einsamkeit der Menschen läge. Menschen aus der Einsamkeit zu holen, sei ein wichtiges Ziel und das habe schließlich auch Auswirkungen auf das Sterben. „Setzen Sie sich damit auseinander, wie es werden soll an Ihrem Ende, aber dann, wenn es Ihnen noch gut geht“, mahnte Rechtanwalt d´Alquen.  Er plädierte für eine überlegte und gut formulierte Vorsorge- und Betreuungsvollmacht und vor allem mit dem intensiven Gespräch darüber mit Menschen, die einem nahe sind. Eine Aufgabe der Kirche sei es, den Tod zu enttabuisieren, meinte Pfarrer Rainer Stahlhacke. „Wir müssen den Tod ins Leben holen und darüber sprechen“, machte er deutlich.

 

Den Fragen aus dem Publikum stellten sich die Experten anschließend gern. Ernste Fragen zu diesem ernsten Thema gab es viele. Gut, dass sie gestellt und beantwortet werden konnten. Nur, wenn man darüber redet, besteht die Möglichkeit, bewusster mit dem Leben und dem Sterben umzugehen.

 

Pressetext erschienen im Patrioten

 

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